Klischeevampire ahoi

Nach nicht einmal einem Viertel von Michael J. Hallowfields “Für das Blut eines Erzvampirs” überlege ich ernsthaft, das Buch vom Kindle zu löschen. Das hat mehrere Gründe:

  • Willkürliche Interpunktion – gut, darüber könnte ich noch hinwegsehen, aber nur mit sehr viel Humor.
  • Falsche Verwendung von Begriffen, schlecht formulierte Sätze. Guter Stil ist es ja nicht grade, wenn man mehrere Nebensätze mit “und” verknüpft a la “XY machte dieses und dann geschah jenes und dann kam noch das”. Das liest sich einfach schlecht. Dazu kommen Formulierungen wie “Keiner von den Vampiren wäre von Desmans Absichten erfreut gewesen” (falsche Präposition, richtig wäre “über”), “um in der Hierarchie hochzufallen” (bitte, wie muss ich mir DAS vorstellen?), “ein seichter Lufthauch” – kurz, manche Sätze sind einfach grauenhaft schlecht formuliert. Anfangs hatte ich das ja auf mieses Lektorat geschoben. Mittlerweile glaube ich aber, dass der Autor es einfach nicht besser kann. Weiters hat er’s nicht so mit Tempus (da steht schon mal ein Präsens anstelle des ansonsten verwendeten Imperfekt), mit Plural und Singular steht er auch auf Kriegsfuß, mit Präpositionen sowieso. Beispiel gefällig? “Rabea hatte schon lange nicht mehr dieses Instrument gesehen und kannte sie eigentlich nur aus Beschreibungen.” An diesem Satz ist eigentlich kaum etwas richtig. Das fängt mit der Wortstellung an – besser wäre “Rabea hatte dieses Instrument schon lange nicht mehr gesehen”. Gut, darüber kann man  ja noch hinwegsehen, aber “dieses Instrument” ist Singular. Trotzdem verwendet Hallowfield ungeniert einen Plural – oder er hat nicht behirnt, dass “das Instrument” ein Neutrum ist, das unter gar keinen Umständen den weiblichen Artikel verlangt. Wie auch immer – so etwas ist höchst mühsam und trübt den Lesespaß erheblich.
  • Klischees. Der erste Vampir, der auftaucht, ist natürlich supermuskulös, übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Frauen aus, hat lange schwarze Haare und ist superböse. Gähn. Ein weiblicher Vampir legt nur Wert aufs Äußere und darauf, möglichst viele gut gebaute, durchtrainierte Männer als Lustsklaven zu gewinnen. Doppelgähn. Besagte Vampirdame sieht in einem Traum, den ihr ein Dämon schickt, unseren Helden Kian und stellt fest: Der Mann sieht gut aus und ist Vampirjäger, das wäre doch mal was. Bitte. Dieses “Ich würde gerne mal mit einem Vampirjäger ins Bett gehen, obwohl ich selbst ein Vampir bin”, das hatten wir schon bei Buffy – und viel, viel besser, weniger platt und schon gar nicht so nervtötend wie hier.
  • Logiklöcher. Zu Beginn von Kapitel 3 hält Hallowfield fest, dass der Himmel über Cornwall seine Schleusen geöffnet hat und es ohne Unterlass regnet. Assoziation: Es schüttet wie aus Kübeln, von wegen geöffnete Schleusen und so. Weit gefehlt. Kurz darauf ist es nur noch ein Nieselregen, der über Cornwall niedergeht, und als Kian wenige Minuten später vor einer alten Kirche eintrifft, braucht er keinen Schirm mehr. Hallo? Man kann doch nicht erst schreiben, dass es den ganzen Tag ohne Unterlass schüttet, nur um kurz darauf festzuhalten, dass es eh nur mehr ganz leicht nieselt und der Held somit keinen Schirm braucht. Das ist unlogisch und inkonsequent.
  • Story. Die Inhaltsangabe liest sich ja sehr spannend, das erste Kapitel war auch in Ordnung – aber irgendwie schafft es die Story nicht, mich in ihren Bann zu ziehen. Vielleicht auch, weil sie vorhersehbar ist. So war klar, dass im Kampf gegen den Lussul mindestens einer der Vampirjäger auf der Strecke bleiben würde. Dass Rabea, die auf Sex versessene Vampirin, demnächst alles daran setzen wird, Kian zu verführen, ist auch klar – und es würde mich nicht wundern, wenn sich daraus wieder mal eine dieser “Vampir liebt Mensch”-Geschichten entwickeln würde. Hatten wir auch schon zigmal, und noch nirgends ist das so gut und glaubwürdig gelungen wie bei Buffy – weil hier die dramatischen Konsequenzen beinhart durchgezogen wurden und es kein Happy-End für Buffy und Angel gab. Ich wage zu bezweifeln, dass Hallowfield das auch nur ansatzweise hinkriegt, aber gut – ich lasse mich natürlich auch gern vom Gegenteil überzeugen.

Ich werde das dritte Kapitel daher noch zu Ende lesen. Wenn ich mich dann noch immer ärgere, fliegt das Buch vom Kindle und ich suche mir neuen Lesestoff. Zeit ist zu wertvoll, als dass man sie mit schlechten Büchern verplempern sollte.

 

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