Kleiner Hobbit – große Langeweile

Tolkien-Jünger sollten die folgenden Zeilen vielleicht nicht lesen, da sie in ihren Augen vermutlich hart an der Grenze zur Blasphemie sind. Ich bin gestern Abend endlich mit The Hobbit fertig geworden, hab für dieses dünne Buch sagenhafte 1,5 Wochen gebraucht und das aus einem simplen Grund: Es hat ab ca. der Hälfte begonnen, mich unsäglich zu langweilen. Gute Kapitel (Mirkwood z.B.) wurden durchbrochen von Kapiteln, in denen so gut wie nichts passiert ist. Die Zwerge oszillieren zwischen unsympathisch und hilfsbereit, einmal verfluchen sie Bilbo, dann rutschen sie bildlich gesprochen auf Knien vor ihm herum, weil er ihnen – mal wieder – das Leben gerettet hat.

Logiklöcher ahoi!

Dazu kommen Logikfehler. So werden Bilbo und die Zwerge – Gandalf ist mal wieder irgendwo unterwegs, um eine dringende Angelegenheit zu erledigen – von Beorn mit ausreichend Proviant ausgestattet, um Mirkwood durchqueren zu können. Man gewinnt den Eindruck, dass Beorn den Wald gut kennt und somit auch weiß, wie viel Proviant die Truppe braucht. Und was passiert? Schon nach wenigen Tagen geht der Proviant zur Neige. Entweder sind Bilbo und die Zwerge total verfressen oder Beorn hat sich bei der Menge verkalkuliert. Aber schon klar – es wäre natürlich fad, wenn die Abenteurer einfach so mir nichts, dir nichts durch Mirkwood marschieren könnten. Dass ihnen der Proviant ausgeht, bietet nämlich einen wunderbaren Aufhänger für folgende sinnlose Szene: Irgendwo abseits des Pfades entdeckt die Gruppe ein paar Lichter. Anstatt weiter dem Pfad zu folgen und weil sie halt so hungrig sind, marschieren die Zwerge mit Bilbo im Schlepptau auf die Lichter zu. Sie finden Waldelben, die gerade dabei sind, ein Festmahl abzuhalten. Was tut der hungrige Abenteurer in so einem Fall? Richtig: Er platzt einfach in das Festmahl hinein und wundert sich, warum schlagartig alle Lichter verlöschen. Ein paar Meter weiter tauchen die Lichter wieder auf, die Szene wiederholt sich. Und weil’s so schön war, wiederholt sie sich noch ein drittes Mal.

Was mich daran genervt hat: Bilbo hat einen Ring, der ihn unsichtbar machen kann, was er später mehr als exzessiv nutzt – aber in dem Fall kommt er nicht auf die Idee, den Ring überzustreifen, um den Elben was von ihrem Essen zu stibitzen? Auch die Elben verhalten sich idiotisch. Als die Zwerge später von ihnen gefangen genommen werden, begründet ihr König das damit, dass sie, die Zwerge, dreimal einen Anschlag auf seine Leute unternommen hätten. Anstatt also nachzufragen, was die Gruppe will, geht er einfach von einem Attentat aus und sperrt alle ein – bis auf Bilbo, der dank des Rings unsichtbar ist und seine “Freunde” schließlich auch befreien kann. Wieder mal. Denn ehe die Zwerge von den Elben gefangen genommen werden, werden sie die Beute überdimensionaler, sprechender Spinnen, die Bilbo aber überlisten kann. Eh klar.

Weg mit Smaug, her mit Adlern, Goblins und Waldelben!

Im letzten Drittel geht dann alles recht schnell. Die Reisenden können den Elben entkommen und kommen in Lake Town an, wo Thorin erst mal ordentlich auf den Putz haut à la “Ich bin der eigentliche König, der Lonely Mountain gehört mir, mir, mir” – was von den Menschen, die sich noch an die alten Geschichten erinnern, mit Staunen und dann mit Gesang quittiert wird. Zwei Wochen wird gefeiert, dann geht’s auf in Richtung Berg und Smaug. Den Drachen fand ich richtig cool, und der Schlagabtausch zwischen ihm und Bilbo war sehr lässig zu lesen. Nur: Wie schnell es dann mit Smaug zu Ende ging, war einfach nicht schön. Smaug ist sozusagen der Siegfried unter den Drachen – eine ungeschützte Stelle kostet ihn das Leben. Damit könnte das Abenteuer eigentlich zu Ende sein: Der Drache ist tot, die Zwerge haben ihr altes Zuhause wieder und Bilbo könnte nach Hobbiton zurückkehren. Denkste. Erst kommt es noch zum Konflikt zwischen den Zwergen auf der einen und den Waldelben bzw. Menschen auf der anderen Seite (alle wollen was von dem unermesslichen Schatz abhaben – wie oft Tolkien in dem Zusammenhang betont, dass Gold die Sinne vernebelt und gierig macht, geht im Übrigen auch auf keine Kuhhaut mehr) sowie zum Streit zwischen Bilbo und Thorin. Gandalf taucht urplötzlich wieder auf und merkt als Erster, dass die Goblins angreifen. Klar. Die haben den ganzen weiten Weg aus den Bergen zurückgelegt, nur um sich an ein paar Zwergen zu rächen, die in einem Akt der Selbstverteidigung ihren König abgeschlachtet haben. Total plausibel. Dass die Adler, die sich normalerweise aus allem raushalten, dann auch noch eingreifen und dass Beorn in Bärengestalt auftaucht – das war einfach zu viel des Guten, wie überhaupt die ganze Schlacht komplett sinnlos war. Immerhin geht Tolkien bei der Beschreibung der Schlacht nicht ins Detail.

Ist das Buch damit zu Ende, dass die Zwerge sich wieder häuslich im Berg einrichten können und dass Dale wieder aufgebaut wird? Mitnichten. Bilbo muss ja noch zurück nach Hause, was Tolkien mit kurzen Beschreibungen der einzelnen Stationen abwickelt. Die Elben in Rivendell gebärden sich nach wie vor wie eine durchgeknallte Faschingsgilde, und auf den letzten Seiten des Buches wird noch mal ausgiebig gesungen, ohne dass die Lieder in irgendeiner Form zur Handlung beitragen. Ich weiß jetzt wieder, warum mich das Buch beim ersten Mal schon nicht zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. Es ist kindisch (ja gut, es ist ein Kinderbuch), stellenweise furchtbar albern, teilweise unlogisch (siehe oben) und mitunter auch fürchterlich langweilig. Es gibt auch hervorragende Szenen, aber die sind in Summe doch sehr rar gesät. Ein drittes Mal tue ich mir das jedenfalls nicht an.

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