Kevin Sorbo – True Strength (2011)

Autobiographien sind ein extrem spannendes Genre, weil sie es uns ermöglichen, Einblicke in das Leben und in die Persönlichkeit anderer Menschen zu erhalten, die wir selbst nie persönlich kennen lernen werden, die uns aber aus bestimmten Gründen faszinieren oder begeistern. Meine erste Autobiographie in diesem Jahr ist die von Kevin Sorbo, vielen sicher noch aus der Serie Hercules – The Legendary Journeys bekannt. Das Buch ist insofern ungewöhnlich, als Sorbo es nicht alleine geschrieben hat – einige Kapitel stammen von seiner Frau Sam, aber auch Schauspielkollegen wie Bruce Campbell oder Michael Hurst sowie Produzenten und Regisseure kommen zu Wort. Das macht die Sache noch um einiges spannender, da sich hier unterschiedliche Blickwinkel auftun, die Sorbo selbst so nicht einnehmen kann.

Im Zentrum steht eine schwere gesundheitliche Krise Sorbos – mit gerade einmal 38 Jahren erlitt er drei Schlaganfälle und ein Aneurysma in der Schulter. Ursache: unbekannt. Nach eigenen Angaben hat Sorbo nie Steroide genommen, trinkt nicht, raucht nicht, lebt gesund – mit einer Ausnahme: Er hat sich nichts geschenkt, wenn es um Dreharbeiten und einen knallharten Tagesablauf ging. Ein typischer Hercules-Drehtag sah so aus: Aufstehen um 4.30 Uhr, Workout, ab zum Drehort, den ganzen Tag drehen, abends noch mal Workout, Schlafenszeit um Mitternacht, am nächsten Tag das Ganze von vorn, sechs Tage pro Woche. Dass der Körper irgendwann streikt und nicht mehr mitmacht, ist angesichts dieses brutalen Programmes nicht weiter verwunderlich; erstaunlich war vielmehr, dass Sorbos Körper diese Strapazen fast vier Jahre lang ertragen hat. Und dann war plötzlich alles anders: Sorbo, der sich offenbar stark mit seiner Rolle identifizert hatte und obendrein von seiner Umgebung nur als Hercules wahrgenommen wurde, musste sich mit seiner Sterblichkeit auseinandersetzen und dem Umstand, dass er, im Unterschied zu Hercules, nicht unverwundbar und schon gar nicht unbesiegbar ist. Der Frust springt einem beim Lesen förmlich entgegen und ist nur allzu gut nachvollziehbar – da macht man (fast) alles richtig und dann das. Wie Sorbo mit der Erkrankung umgegangen ist, wie lange er gebraucht hat, um sie als Teil seines Lebens zu akzeptieren – das ist durchaus interessant zu lesen, auch wenn man ihn an manchen Stellen packen und ordentlich durchschütteln möchte, weil er sich etwas zu sehr in Selbstmitleid verliert, was er übrigens an den entsprechenden Stellen auch selbst anmerkt.

Rund um Sorbos Krankengeschichte sind verschiedene Stationen seines Lebens drapiert – die Kindheit in Minnesota, die Modelkarriere in Europa (u.a. für Versace), erste Rollen in Werbespots, wie er fast Superman geworden wäre und Dean Cain im Rolle in letzter Sekunde vor der Nase weggeschnappt hat, wie er Hercules wurde, wie es zum Aus der Serie kam, wie er seine Frau kennen gelernt hat… kurz, man bekommt einen ziemlich guten Überblick über Sorbos Leben und Karriere. Er selbst kommt sehr sympathisch rüber – mitunter überehrgeizig, gegen Ende hin dann aber ruhiger, geduldiger und gelassener. Für Sorbo- (und Hercules-)Fans auf jeden Fall empfehlenswert.

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