David Colbert – The Magical Worlds of The Lord of the Rings (2002)

Wer schon immer mal wissen wollte, woher die Bezeichnung “Hobbit” kommt, warum Tolkiens Elben so groß sind, warum er ausgerechnet riesige Spinnen als Monster eingebaut hat, welche Epen ihn beeinflusst haben oder wie viele Sprachen er für The Lord of the Rings erfunden hat, ist mit diesem schmalen Bändchen fürs Erste gut bedient. Auf etwas mehr als 200 Seiten geht David Colbert diesen und anderen Fragen nach, verweist dabei auf eine Fülle an Sekundärliteratur, die er für die Recherche benutzt hat, stellt Querbezüge zum Silmarillion und zum Hobbit her, bleibt letzten Endes aber leider zu sehr an der Oberfläche. Gut, auf 200 Seiten kann man nicht jedem Detail nachspüren, aber manche Kapitel sind so kurz geraten, dass ich mich gefragt habe, ob es nicht besser gewesen wäre, sie ganz wegzulassen und stattdessen andere Aspekte eingehender zu behandeln. Aber immerhin macht das Buch Lust auf mehr, und wenn das eine der Absichten gewesen sein sollte, dann kann ich nur sagen: mission accomplished.

Einige Kapitel haben richtig Spaß gemacht. So wusste ich beispielsweise nicht, dass Frodo ursprünglich “Bingo Bolger-Baggins” heißen sollte. Colbert kann sich an dieser Stelle einen launigen Kommentar nicht verkneifen, der mich laut lachen ließ und den ich euch nicht vorenthalten möchte: He [Frodo, Anm.] was called “Bingo Bolger-Baggins”. It almost makes him sound like Tigger from A.A. Milne’s “Winnie the Pooh”, bouncing to Mount Doom on springs. Als ich das gelesen hab, wusste ich: In Zukunft werde ich Buch und Filme mit ganz anderen Augen sehen und beim Anblick von Frodo ein unpackbar lustiges Kopfkino starten 🙂

Spannend fand ich sämtliche Informationen rund um Tolkiens Quellen und die Sprachen, die ihn bzw. seine eigenen Sprachen beeinflusst haben, wobei die grundsätzliche Information, dass Tolkien stark auf angelsächsische bzw. nordische Quellen zurückgriff, nun wirklich keinen Neuigkeitswert mehr hat. Aber auch die Bedeutung der Himmelsrichtungen und die entsprechende Aufteilung der Länder Mittelerdes waren sehr interessant. Eingefleischte Tolkien-Fans werden in diesem Büchlein vermutlich nicht mehr allzu viel Neues entdecken, aber wer sich etwas näher mit den Hintergründen zu Lord of the Rings befassen möchte, findet hier einen guten Einstieg sowie eine durchaus brauchbare Bibliographie, die zu weiterer Lektüre anregt. Ich für meinen Teil bin jetzt tatsächlich motiviert, endlich mal das Silmarillion zu lesen. Mal schauen, ob ich über die ersten Seiten hinauskomme.

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4 Responses to David Colbert – The Magical Worlds of The Lord of the Rings (2002)

  1. BuecherFahe says:

    Hintergrundwissen zu einem Buch kann ja immer ganz spannend sein. Schade, dass meine Fantasy-Tolkien-Zeit vorbei ist, sonst hätte ich mir das Buch geholt. 😀
    Das Silmarillion habe ich damals auch gelesen, ich weiß aber, dass ich manchmal ziemlich durcheinander gekommen bin… Ich war da aber auch noch relativ jung und habe eventuell schneller den Überblick verloren. Jetzt fehlt mir allerdings der Anreiz, mich noch einmal in diese Welt zu stürzen.
    Dir aber viel Spaß dabei. 🙂

    • Sumbu says:

      Hintergrundwissen ist immer gut, und Vieles wusste ich auch noch nicht, insofern war das echt eine feine Lektüre 🙂 Mit dem Silmarillion hab ich vor Jahren schon mal begonnen und damals völlig entnervt aufgegeben, mal schauen, wie weit ich dieses Mal komme – ich hänge noch beim Vorwort bzw. dem Brief Tolkiens, in dem er erklärt, wie er sich seine Mythologie so vorstellt und worum es in etwa geht.

  2. orlofthesky says:

    Hobbits are wonderful things! 😀 … das Kopfkino werde ich jetzt auch nimmer los, fürchte ich. Klingt aber ganz interessant, das Buch, mal sehen ob ich mal hineinlese. Wenn Du übrigens einen Silmarillion-Lesekreis starten möchtest, sag Bescheid, ich hadere auch schon seit Jahren mit dem Buch…

    • Sumbu says:

      Ist auch ziemlich spannend, vor allem hab ich den Eindruck, dass ich mich dieses Mal mit dem Silmarillion etwas leichter tue als beim ersten Versuch – ich hab immerhin die ersten beiden Kapitel geschafft, das ist mehr als beim letzten Mal xD Aber bis ich ganz damit durch bin, wird’s lange dauern, es ist nicht grade einfach zu lesen, weil Tolkien sehr viele antiquierte Ausdrücke verwendet und es stilistisch halt auch eher in Richtung Mythologie geht. Er dürfte starke Anleihen bei der Edda und dergleichen genommen haben, und man muss sich sehr konzentrieren. Der Brief von Tolkien, der als Vorwort eingebaut ist, ist insofern hilfreich, als er ganz grob skizziert, worum es geht.

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