Montagsfrage: Gibt es Autoren, die du lieber im Original liest?

Auch diese Woche hat Nina von Libromanie eine spannende Montagsfrage parat, die sie selbst kurz und knackig beantwortet hat. Mal schauen, ob ich mich ebenfalls kurz fassen kann…

An sich lese ich Autoren, wenn ich denn ihre Sprache beherrsche, am liebsten im Original. Derzeit beschränkt sich das auf Deutsch und Englisch; mein Französisch ist noch nicht so gut, als dass ich Klassiker wie Die drei Musketiere im Original lesen könnte – und selbst wenn ich’s könnte, würde ich es vermutlich nicht tun, weil das Buch stellenweise langatmiger ist, als ich es in Erinnerung habe und mir die Musketiere mitunter extrem unsympathisch waren. Trotzdem habe ich nach wie vor den Ehrgeiz, mein Französisch auf ein Level zu bringen, das es mir ermöglicht, z.B. Das Phantom der Oper im Original zu lesen (das wird allerdings noch lange dauern).

Warum? Erstens habe ich schon als Schülerin festgestellt, dass Lesen im Original die Sprachfertigkeit enorm schult und man mehr oder weniger mühelos neue Vokabeln und Grammatik lernt. Zweitens kann selbst die beste Übersetzung nur sehr selten mit dem Original mithalten. Beispiel gefällig? Mein erster Roman von Terry Pratchett war vor Jahren Echt zauberhaft, im Original Interesting Times. Ich fand das Buch damals langweilig und blöd, was einerseits daran lag, dass ich mit den Charakteren nicht vertraut war. Andererseits war aber auch die Übersetzung nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Ich habe das Buch im Vorjahr noch einmal gelesen, dieses Mal im Original, und es hat mich prächtig unterhalten. Pratchetts Wortwitz ist auf Deutsch nur schwierig zu transportieren, wenn überhaupt; gerade bei Autoren, die sich mit der Sprache spielen, finde ich es sehr lohnend, zum Original zu greifen, sofern verfügbar und sofern die entsprechenden Sprachkenntnisse vorhanden sind.

Das Original ist allerdings kein Muss. Bei manchen Autoren greife ich auch zur deutschen Übersetzung, von Stephen King z.B. habe ich englische und deutsche Versionen zuhause. Der hat aber auch das Glück, gut übersetzt zu werden. Bei meiner aktuellen Lektüre, Fitzgeralds Der große Gatsby, war es mir wiederum wurscht, ob ich das Buch auf Deutsch oder auf Englisch lese. Bei Fachliteratur kommt es auf den Inhalt an; mediävistische Fachliteratur geht auch auf Englisch, alles andere wird mühsam, weil mir einfach das Vokabular fehlt. Apropos Mühe: Die Anstrengung, eine neue Sprache zu lernen, nur um einen bestimmten Autor lesen zu können, würde ich mir vermutlich nicht antun, außer die Sprache interessiert mich sowieso. Aber von der Idee, Polnisch zu lernen, um die geniale Hexer-Reihe von Andrzej Sapkowski im Original genießen zu können, bin ich sehr rasch wieder abgekommen. Ich denke, der Aufwand steht nicht dafür. Und Sapkowski hat, wie King, das Glück, einen guten Übersetzer bei dtv gefunden zu haben. Mag sein, dass der ein oder andere Wortwitz verloren geht, aber wenn ich das als Maßstab für mein Leseverhalten nehmen würde, müsste ich jede Sprache der Welt lernen. Und dazu fehlt mir ganz eindeutig die Zeit 🙂

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4 Responses to Montagsfrage: Gibt es Autoren, die du lieber im Original liest?

  1. Bücherphilosophin says:

    Ich denke auch, dass eine Übersetzung nie ganz an das Original heran reicht. Manche sind nah dran – es gibt ja auch Preise nur für Übersetzer – aber ich hab das Gefühl, dass speziell Unterhaltungsromane oft nicht besonders liebevoll übersetzt sind, sondern von den Verlagen nur schnell rausgehauen werden. Da gibt es aber sicher auch Ausnahmen.
    Trotzdem würde ich in solchen Fällen immer zum Original greifen, auch wenn die deutschen Übersetzungen oft ein hübscheres Cover haben 😉

    LG, Katarina 🙂

    • Sumbu says:

      Ich hab festgestellt, dass es auch sehr auf den Verlag ankommt, ob eine Übersetzung gut ist oder nicht. Bastei ist z.B. ziemlich grottig, was Übersetzungen angeht, Heyne geht einigermaßen, und dtv ist wirklich gut – Diogenes detto. Und die Qualität der Übersetzung scheint auch vom Autor abzuhängen; wenn das ein Zugpferd wie Stephen King ist, gibt’s meistens einen fixen Übersetzer, der den Stil schon drauf hat und sich entsprechend Mühe gibt. Wenn das irgendein unbekannter Autor ist, wird halt lustlos vor sich hin übersetzt. Vermute ich jedenfalls 🙂

  2. BuecherFahe says:

    Ist ja witzig. Die Montagsfrage von Nina habe ich auch unter anderem damit beantwortet, dass ich gerne einmal “Das Phantom der Oper” oder Bücher von Alexandre Dumas auf Französisch lesen würde. Allerdings sollte ich dazu sagen, dass ich kein Französisch kann (hoffe aber, dass ich das im Laufe meiner Lebenszeit ändern kann!) 😀

    • Sumbu says:

      Ha, lustig 😀 Ich find nach wie vor, dass das ein guter Grund ist, eine Sprache zu lernen, auch wenn’s lange dauert, bis man das entsprechende Level erreicht hat. Ich liebäugle ja mit einem Sprachurlaub in Frankreich, damit sich dieses Gewirr aus Vokabeln und Grammatik mal ordentlich verfestigt. Einfache Texte kann ich ja lesen (ich brauch zwar 3 Stunden für 30 Seiten, aber gut *g*), aber selbst Texte zu produzieren scheitert in der Regel daran, dass mir die Vokabeln und die grammatikalische Struktur nicht mehr einfallen. Deswegen: Sprachurlaub 🙂 Am liebsten in der Provence *hach*

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