George R. R. Martin – A Clash of Kings (1998)

Der zweite Band der Reihe A Song of Ice and Fire nimmt nach dem Prolog die Handlungsstränge aus Band 1 wieder auf und führt sie weiter. Der relativ lange Prolog spielt in Dragonstone, wo Stannis Baratheon herrscht, der nun nicht unbedingt das ist, was man einen sympathischen Charakter nennen möchte. Seine Frau ist geradezu fanatisch religiös und folgt R’hllor, dem Gott des Lichts, sowie seiner Priesterin Melisandre, was wiederum dem hauseigenen Maester, Cressen, überhaupt nicht in den Kram passt. Er sieht überall böse Omen – beim Kometen angefangen, der übrigens von allen Charakteren anders interpretiert wird (wie sie’s halt grade brauchen) bis hin zu Patchfaces seltsamen Gesängen. Auch Band 2 offenbart einige interessante Textpassagen, die mir beim ersten Mal Lesen komplett entgangen sind oder die ich nicht weiter beachtet habe. Spannend ist auch die Entwicklung der Charaktere bzw. die Einführung neuer POVs. ACoK umfasst folgende POVs:

  • Arya (10)
  • Sansa (8)
  • Tyrion (15)
  • Bran (7)
  • Jon (8)
  • Catelyn (7)
  • Davos (3)
  • Theon (6)
  • Daenerys (5)

Neu sind Davos und Theon, wobei wir Theon bereits aus Band 1 kennen, allerdings nur aus Sicht der Starks beschrieben. Dieses Mal dürfen wir durch seine Augen das Geschehen mitverfolgen, was einerseits zwar durchaus spannend, andererseits aber auch ziemlich tragisch ist. Das liegt nicht zuletzt an der Figur Theons, die ebenfalls kein sonderlicher Sympathieträger ist, gleichzeitig aber an einer Zerrissenheit leidet, die auch nicht lustig ist. Der Hauptfokus liegt dieses Mal auf Tyrion, der auf Geheiß seines Vaters, des ebenfalls unfassbar sympathischen Lord Tywin, als Hand of the King agieren soll und der, anders als seine Vorgänger Ned Stark und Jon Arryn, das Spiel perfekt beherrscht. Davos Seaworth wiederum, ein loyaler Anhänger von Stannis Baratheon, zeigt uns zweierlei: Einerseits Stannis’ liebenswürdige Natur *ahem* und andererseits, dass Ned Stark nicht der letzte ehrenhafte Mann in Westeros war.

Fangen wir mit dem Handlungsstrang um Stannis Baratheon an. Stannis, Roberts jüngerer Bruder und in Band 1 lediglich eine Art Fußnote, weiß, dass Joffrey, Tommen und Myrcella nicht Roberts Kinder sind, kann das aber nicht beweisen und beschränkt sich zunächst darauf, Briefe in ganz Westeros verbreiten zu lassen, die Cersei des Inzests bezichtigen (bitte festzuhalten: Es wird so getan, als wäre Cersei alleine schuld; von Jaime ist kaum die Rede, die Beleidigungen darf sich Cersei anhören – und das zieht sich durch die nachfolgenden Bände durch.). Gleichzeitig erhebt Stannis Anspruch auf den Thron – nicht, weil er so wahnsinnig gerne König wäre, sondern weil es seine Pflicht ist. Außerdem kann er doch bitteschön den Thron nicht seinem jüngeren Bruder Renly überlassen. Stannis ist ein harter, kalter Mann, der in der Serie um einiges softer rüberkommt und der sich keinen Illusionen hingibt, was die Loyalität der Menschen in Westeros angeht: “The storm lords will not rise for me. It seems they do not like me, and the justice of my cause means nothing to them. The cravenly ones will sit behind their walls waiting to see how the wind rises and who is likely to triumph. The bold ones have already declared for Renly. For Renly!” He spat out the name like poison on his tongue. Stannis hat nicht nur ein Problem, er hat gleich mehrere: Aufgrund seiner harten Natur kann ihn keiner leiden, Renly ist um einiges beliebter und lieber würden die Menschen den jungen Renly auf dem Thron sehen als den vermutlich fähigen, aber ungeliebten Stannis. Und Stannis ist verbittert. Sehr verbittert. Er ist sauer, weil er statt Storm’s End nur Dragonstone bekommen hat, das er gar nicht wollte, das er aber aus Pflichtgefühl gegen Roberts Feinde verteidigt hat. Und was war der Dank? Richtig: Robert, der undankbare Kerl, belohnt Stannis nicht etwa mit Storm’s End, das seit 300 Jahren im Besitz der Familie Baratheon ist, nein, er gibt ihm nur Dragonstone, das weniger prestigeträchtig ist und auch wirtschaftlich weniger abwirft. Überhaupt ist Stannis noch immer wütend auf seinen Bruder Robert, weil der sich mit Eddard Stark besser verstanden hat als mit seinem eigen Fleisch und Blut – dass es an ihm selbst liegen könnte, das kommt ihm nicht in den Sinn. Er wird nicht müde, die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfahren sind, aufzuzählen, und dass er sich der Religion seiner Frau zuwendet, ist wohl eher pragmatischen Überlegungen zuzuschreiben denn wahrer religiöser Überzeugung. Schon früh diskutiert er mit seiner Frau und seiner Gefolgschaft die Möglichkeit, Renly aus dem Weg zu räumen. Immerhin ist der ein Verräter, weil er ihm den Thron streitig machen möchte. Und da sage noch mal wer, die Lannisters seien die schlimmste Familie in Westeros…

Ja, und dann wäre da noch Melisandre, die Stannis den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass er der Auserwählte ist – Azor Ahai. Boah. Stannis, der Messias, der mit einem flammenden Schwert seine Feinde niederschlägt. Wir erstarren mal kurz in Ehrfurcht.

So, das reicht. Melisandre erklärt Stannis, dass es alte Prophezeiungen gebe – es werde ein Tag nach dem langen Sommer kommen, an dem die Sterne bluten würden und der kalte Atem der Dunkelheit die Welt bedecken würde. Aber natürlich gibt es Abhilfe: In this dread hour a warrior shall draw from the fire a burning sword. And that sword shall be Lightbringer, the Red Sword of Heroes, and he who clasps it shall be Azor Ahai come again, and the darkness shall flee before him.

Ja eh nett. Nur: Stimmt das auch? Ist Stannis wirklich dieser Auserwählte? Ganz ehrlich: Ich glaube es nicht. Auch Salladhor Saan, der Pirat, scheint skeptisch zu sein, als er Davos die Geschichte von Lightbringer erzählt: It was a time when darkness lay heavy on the world. To oppose it, the hero must have a hero’s blade, oh, like none that had ever been. Salladhor erzählt im Folgenden, wie mühsam es für Azor Ahai war, dieses Schwert zu schmieden – er brauchte erst 30 Tage und Nächte, um festzustellen, dass das Schwert nichts taugte, arbeitete dann noch einmal 50 Tage und Nächte, nur um erneut festzustellen, dass das Schwert Schrott war. Also arbeitete er noch einmal 100 Tage und Nächte, ging zu seiner Frau und bat sie, die Klinge mit ihrem Blut zu weihen. Hat funktioniert. Super. Die Mühsal, die Azor Ahai auf sich genommen hat, um das Schwert zu schmieden, erinnert sehr stark an Siegfried aus der Nibelungensage – Zufall? Sicher nicht. GRRM benutzt ja auch den arthurischen Doppelweg u.a. bei Jaime – Held wird zum Star, versaut alles und muss wieder von vorne anfangen. Aber dazu komme ich noch, wenn ich bei Jaimes POVs angelangt bin.

Brans Storyline entwickelt sich langsam, aber konstant. Seine Träume nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, ebenso die Begegnung mit Jojen und Meera Reed. Vor allem Jojen wird noch wichtig für Bran werden. Er wird ihm die Angst vor seinen vermeintlichen Träumen nehmen und ihm erklären, dass er die Fähigkeit des “Wargens” besitzt, d.h. er kann seinen Geist in ein anderes Lebewesen – in diesem Fall seinen Wolf Summer – versetzen. Das ist zwar ziemlich cool, wird von Bran aber nur langsam und widerwillig akzeptiert. Auch der Umstand, dass er ein drittes Auge haben soll wie die Krähe in seinem Traum verwirrt ihn. Dass das dritte Auge dabei nicht sichtbar sein muss, sondern mehr für die Fähigkeit steht, in die Zukunft blicken zu können, wird ihm erst später klar werden. Festhalten möchte ich an dieser Stelle noch, dass Brans Fähigkeiten erst erwachen, nachdem er aus dem Fenster gestoßen wurde und im Koma lag. Will ich damit Jaimes Untat verteidigen? Nein. Fakt ist aber, dass erst Jaimes Untat Brans Fähigkeiten erwachen ließ; Jaime hat also unbewusst dazu beigetragen, Brans Entwicklung zu fördern.

Kommen wir zu Jon, der wie folgt auf die Mitteilung reagiert, dass sein Halbbruder Robb zum König des Nordens ausgerufen wurde: So now Robb will sip summerwine from jeweled goblets, while I’m kneeling beside some stream sucking snowmelt from cupped hands. “Robb will make a good king”, he said loyally. Ehrlich: Da will man den Kerl doch einfach nur am Krawattl packen und ordentlich durchschütteln. Wer hat sich denn die Wache ausgesucht? Wer wollte denn unbedingt bei denen dienen und auf alles verzichten, was die Welt so zu bieten hat? Und wer sudert jetzt in einer Tour herum, dass es andere besser haben? Richtig: Jon. Das nervt. Und das Schlimme dabei ist: Das wird nicht besser. Andere Charaktere entwickeln sich im Lauf der Zeit weiter, Jon Snow bleibt ein jammernder Bastard, egal, welche Erfolge er erzielt. Zwischendurch zeigt er sich auch mal von seiner erwachsenen Seite, akzeptiert, dass er Lord Mormont als Steward dienen muss oder hält Sam davon ab, eine von Crasters Frauen zu retten, denn erstens wäre das ein Eingriff in Crasters Privatsphäre und zweitens – und hier schlägt wohl das Stark-Gen an – total unehrenhaft. An dieser Stelle musste ich den Kopf schütteln. Craster opfert seine Söhne den White Walkers, was sowohl Gilly als auch Mormont bestätigen, Mormont mit dem Zusatz, dass jeder Ranger das wisse. Craster heiratet seine eigenen Töchter und ist so ziemlich der grauslichste Ungustl, den Westeros zu bieten hat, und zwar sowohl diesseits wie auch jenseits der Mauer. Sollte man nicht eher alles daran setzen, die armen Frauen zu retten? Nein. Denn unter Crasters Dach zu schlafen, bedeutet, das Gastrecht achten zu müssen, und deswegen wäre es unehrenhaft, Gilly zu helfen. Gut, Jon könnte auch auf den Gedanken kommen, dass Craster als Wildling sich bewusst von den geltenden Gesetzen Westeros’ losgesagt hat. Er könnte auch einfach tun, was richtig ist. Stattdessen weist er Gilly ab, hat aber zumindest so viel Anstand sich zu fragen, ob er richtig gehandelt hat.

Richtig cool finde ich erstaunlicherweise Catelyn, was beim ersten Durchgang nicht mal ansatzweise der Fall war. Sie diskutiert mit Robb, wie sie Arya und Sansa zurückholen könnten, nicht wissend, dass Arya bereits auf dem Weg in den Norden ist. Sie hält Robb vor Augen, dass Cersei die beiden Mädchen niemals gegen zwei Cousins eintauschen würde; Cersei wolle ihren Bruder Jaime zurück. Robb argumentiert, dass seine Lords der Freilassung Jaimes nie zustimmen würden; sie hätten ihm zum König gemacht und könnten ihn auch wieder absetzen. Catelyns Reaktion: “If your crown is the price we must pay to have Arya and Sansa returned safe, we should pay it willingly.” Ganz pragmatisch, ganz liebende Mutter, und ganz ehrlich: Ihr Vorschlag ist nur allzu verständlich.  Während Robb bemerkt, dass Jaime Lannister den Tod verdient hätte, erweist sich Catelyn als weitsichtiger und hält fest, dass Cersei sich blutig rächen würde. Anders gesagt: Stirbt Jaime, sterben auch Sansa und Arya, und das will Catelyn unbedingt verhindern – völlig verständlich. Robbs Reaktion sollte ihm eigentlich eine schallende Ohrfeige einbringen: Er hätte Jaime gegen Ned eintauschen können, aber nicht für die beiden Mädchen. Das veranlasst Catelyn zu einem kurzen Wutausbruch: “Girls are not important enough, are they?” Im selben Moment bereut sie, dass sie sich hat gehen lassen, sagt sich selbst, dass sie für Robb da sein muss, wird aber zwischen ihrer Pflicht und ihrer Mutterliebe hin- und hergerissen. An keinem Mitglied der Familie Tully exemplifiziert GRRM das Familienmotto “Honor, Family, Duty” so gnadenlos wie an Catelyn. Wie weitsichtig Catelyn ist, wird sich noch im Falle Theon Greyjoy zeigen. Sie warnt Robb davor, Theon zu seinem Vater Balon zu schicken (übrigens noch so ein Herzchen), aber Robb, ganz der König, weiß es natürlich besser. Catelyn ist am Ende ihrer Kräfte: She woke aching and alone and weary; weary of riding, weary of hunting, weary of duty. I want to weep, she thought. I want to be comforted. I’m so tired of being strong. I want to be foolish and frightened for once. Just for a small while, that’s all… a day… an hour. Dennoch macht sie weiter, verhandelt mit Renly, der befindet, dass sein Bruder Stannis einen furchtbaren König abgeben würde.

Spannend sind Theons Kapitel, hauptsächlich, weil Theon ein zerrissener Charakter ist, der es eigentlich nur allen Recht machen will – vor allem seinem Vater, Balon. Theon entscheidet sich für seine Familie und reflektiert: Half his days a hostage… but no longer. His life was his own again, and nowhere a Stark to be seen. Theon ist zwiegespalten, was die Starks betrifft; schließlich hat Eddard zumindest versucht, ihn wie einen Sohn groß zu ziehen: Lord Eddard had tried to play the father from time to time, but to Theon he had always remained the man who’d brought blood and fire to Pyke and taken him from his home. As a boy, he had lived in fear of Stark’s stern face and great dark sword. His lady wife was, if anything, even more distant and suspicious. Theon hat also große Probleme mit den Starks. Er sieht sie als seine Wärter, und der Einzige, mit dem er klarkommt, ist Robb, den er irgendwie als jüngeren Bruder sieht. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, eine Entscheidung zu treffen, die zu Ungunsten Robbs ausfällt. Theons innerer Konflikt, der sich durch das gesamte Buch zieht, ist dabei sehr spannend zu lesen, vor allem im Hinblick auf Band 5.

Der Bastard von Roose Bolton, Ramsay, wird in Band 2 eingeführt. Ramsay ist den Leuten suspekt. Niemand weiß genau, wer er ist oder wie er ist; Roose selbst behauptet, dass Ramsay tot ist und erklärt, dass er glücklich darüber ist – zu diesem Zeitpunkt ist nicht klar, ob Roose falsch informiert wurde oder ob er einfach nur lügt. Ramsay hatte eine schwere Kindheit – natürlich. Er wurde von seiner Mutter großgezogen, ist verschlagen und grausam, und er hat einen Diener, den er Reek nennt. Was mir beim ersten Mal Lesen völlig entgangen ist: Dieser Reek, der bei Theon auftaucht, ist in Wahrheit Ramsay – GRRM gibt uns dafür genügend Hinweise, u.a. die kalten grauen Augen, die Ramsay von seinem Vater geerbt hat. Theon ist zu verblendet, um das zu erkennen; er ist zu versessen darauf, sich zu beweisen und schreckt auch nicht vor Kindsmord zurück. Diese Tat verfolgt ihn für den Rest des Buches und darüber hinaus.

Spanned ist auch die Entwicklung von Sansa, die nach wie vor so tut, als würde sie Joffrey lieben und die von Ser Meryn geschlagen wird, wenn Joffrey es für angebracht hält. In Sandor Clegane erwächst ihr ein unerwarteter und grantiger Freund, der sie zwar permanent beleidigt, aber in seiner ganz eigenen Art über sie wacht und sie quasi erzieht, wenn er sagt: Singing all the songs they taught you… sing me a songt, why don’t you? Go on. Sing to me. Some song about knights and fair maids. You like knights, don’t you? Das klingt grausam, dient aber in letzter Konsequenz dazu, Sansa auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Sie lebt noch immer in ihrer Traumwelt, in der edle Ritter hilflose Mädchen retten, realisiert aber allmählich, dass die Realität eine ganz andere ist und dass edle Ritter rar sind. Zwar sieht sie in Ser Dontos nach wie vor einen edlen Ritter, hat aber so allmählich ihre Zweifel, dass er ihr tatsächlich helfen kann und bezeichnet Sandor Clegane als “lord”, was diesen amüsiert: “And I’m no lord, no more than I’m a knight. Do I need to beat that into you?” Das ist drastisch, keine Frage, aber Sandor verfolgt damit ein Ziel: Er will, dass Sansa endlich erwachsen wird und erkennt, dass ihre edlen Ritter vor allem in Gedichten und Liedern, aber nicht in der Realität existieren. Wichtig ist ein scheinbar unwichtiges Detail in einem der letzten Sansa-Kapitel: Ser Dontos überreicht Sansa ein Haarnetz aus Silber, in das kleine Edelsteine eingearbeitet sind. Sein Kommentar dazu: “Lovelier than you know, sweet child. It’s magic, you see. It’s justice you hold. It’s vengeance for your father.” Das Haarnetz wird in Band 3 noch wichtig sein.

Die Dorne-Storyline wird weiter gesponnen: Myrcella wird nach Dorne gebracht, wo sie mit einem der Prinzen verheiratet werden soll. Tyrion vertraut darauf, dass Doran Martell zu ehrenhaft ist, als dass er eine Neunjährige abschlachten ließe. Cersei ist alles andere als begeistert, muss sich aber letztlich Tyrions Entscheidung beugen. Schließlich wäre Myrcella nicht sicher, sollte King’s Landing fallen, und das weiß Cersei. Sie hadert mit ihrem Schicksal, beklagt, dass sie nicht als Mann geboren wurde und dass sie nie von einem Buben gefangen genommen worden wäre, wie es Jaime passiert ist.

Abseits von verschiedenen Charakter-Entwicklungen tut sich auch sonst so einiges in Westeros. Tyrion muss King’s Landing gegen Stannis verteidigen, Dany darf sich im House of the Undying umsehen und macht erstaunliche Entdeckungen – sie hat Visionen, die sich im nächsten Band bewahrheiten werden und die ich zunächst nicht bemerkt habe, etwa der König mit dem Wolfskopf. Danys Visionen deuten u.a. auf die Red Wedding hin, und das ziemlich eindeutig. Dazu kommen Prophezeiungen, die sich erst noch erfüllen müssen. Interessant ist auch die Konversation zwischen Catelyn und Jaime, der sich noch immer frech gibt, obwohl er in Gefangenschaft ist. Er gibt unumwunden zu, dass er Bran aus dem Fenster gestoßen hat, um ihn zu töten, während Cersei zwar zugibt, dass Jaime Bran töten wollte, allerdings sieht sie die Sache etwas anders: For love, he said, as if that would please me. Bereits hier wird deutlich, dass die Geschwister eine unterschiedliche Auffassung von Liebe haben – während Jaime seiner Schwester verfallen ist, benutzt sie ihn nur, um an ihre Ziele zu kommen. Und während Cersei Männer anheuert, die ihre Drecksarbeit erledigen sollen, erklärt Jaime Catelyn, dass er das nicht nötig hat: I may indeed have shit for honor, I won’t deny it, but I have never yet hired anyone to do my killing. Believe what you will, Lady Stark, but if I had wanted your Bran dead I would have slain him myself. Nicht gerade nett, aber Catelyn weiß sofort: Der Mann sagt die Wahrheit. Auch seine Ausführungen zu verschiedenen Schwüren, die ein Ritter leisten muss, lassen Catelyn zweifeln, und erstmals erscheint Jaime Lannister als ein Mann, der zu viel auf sich geladen hat – wer hätte das gedacht.

Verabschieden muss ich mich leider von einer Theorie, die mir an sich sehr ans Herz gewachsen ist, die ich aber aufgrund der Lektüre von ACoK in die Tonne treten muss. Die Theorie besagte folgendes: Syrio Forel, Aryas “Tanzlehrer”, ist nicht tot. Der Mann hat seine Angreifer in Band 1 allesamt erledigt, sein Tod wird nicht gezeigt, und solange ein Tod nicht beschrieben wird, ist der Charakter nicht tot. Im Gegenteil, Syrio konnte sich freikämpfen, wurde zu Jaqen H’ghar, ließ sich in den Kerker werfen und wurde von Yoren mitgenommen, um an der Mauer zu dienen. Valide Hinweise dafür gibt es nicht; lediglich der Umstand, dass Syrios Tod nicht beschrieben wird, legt den Schluss nahe, dass er am Leben ist. Dass sowohl Syrio als auch Jaqen aus Braavos sind, schien der Theorie mehr Substanz zu verleihen. Und dann die Krönung: Arya unterhält sich mit Jaqen und bemerkt: Something about the way he talked reminded her of Syrio; it was the same, yet different too. Für mich der “eindeutige” Beweis, dass Syrio in Wahrheit ein “Faceless Man” ist, zumal Jaqen später Syrios typische Floskel “Just so” verwenden wird. Dummerweise hat diese Theorie einige Makel. Da wäre zunächst die Frage, wer Jaqen angeheuert hat und wen er umbringen hätte sollen. Wie viel Zeit zwischen Ned Starks Inhaftierung und seiner Hinrichtung und somit zwischen Syrios letztem Kampf und Aryas unfreiwilliger Reise mit den künftigen Wächtern liegt, wissen wir nicht genau. Was die Theorie aber endgültig ruiniert hat, ist dieses: Der Mann, gegen den Syrio in Band 1 kämpft, ist namentlich benannt und taucht in den Folgebänden wieder auf – quicklebendig. Es handelt sich um den charmanten Ser Meryn Trant, der sich später u.a. dadurch auszeichnen wird, dass er wehrlose kleine Mädchen (Sansa) schlägt. Ein echtes Herzchen also. Das ist ein Detail, das mir beim ersten Mal völlig entgangen ist, weil ich einerseits genug damit zu tun hatte, mir all die Namen einigermaßen zu merken; andererseits wollte ich auch nicht, dass Syrio tot ist, weil ich Syrio cool fand. Ich denke, es wird Zeit, sich von Syrio Forel, First Sword of Braavos, zu verabschieden. Wenn Meryn Trant überlebt hat, ist Syrio mit hoher Wahrscheinlichkeit tot. Das hindert mich nun aber nicht daran, die Theorie, dass Jaqen mit dem “kindly man”, den Arya später treffen wird, identisch sein könnte – hauptsächlich, weil ich auch Jaqen extrem cool fand 🙂

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