Sergej Lukianenko – Die letzten Wächter (2014)

Als ich vor etwas mehr als zwei Jahren in diesem Blog einen Eintrag zu Sergej Lukianenkos fünftem Wächter-Band verfasst habe, habe ich die Vermutung geäußert, dass Lukianenko sich mit dem Schluss noch ein Hintertürchen für einen sechsten Band offen gelassen hat. Zwei Jahre später liegt dieser sechste Band nun vor, und obwohl es mittlerweile einen siebten Band gibt und ein achter Band angekündigt ist, kann man zumindest die Geschichte um Anton Gorodezki und seine Familie als abgeschlossen bezeichnen. Das ist auch gut so. So gern ich die Wächter-Romane mag und so flüssig sie sich auch lesen, irgendwann ist dann doch die Luft raus. Die beiden neuen Romane – Die Wächter: Licht und Dunkelheit bzw. Die Wächter: Dunkle Verschwörung – scheinen eine Art Spinoff darzustellen und werden zumindest im deutschsprachigen Raum als neue Reihe mit dem Titel Die neuen Abenteuer der Wächter geführt, wobei die Nummerierung von vorne beginnt. Das nur am Rande.

In Band 6 geht es um nichts Geringeres als die Apokalypse. Sämtliche Propheten sprechen zeitgleich eine Prophezeiung aus, deren Inhalt der Untergang der Anderen und der Menschen ist. Anton und seinen Mitstreitern bleiben gerade einmal fünf Tage, um den Weltuntergang aufzuhalten. Dazu müssen sie die so genannte Sechste Wache bilden, deren Ursprünge und Zusammensetzung jedoch vorerst im Dunkeln liegen. Die meiste Zeit verbringt Anton also damit, zu recherchieren oder damit, Charaktere, die in früheren Bänden eine wichtige Rolle gespielt haben, zu rekrutieren. Teilweise schlägt Lukianenko Brücken zum Anfang der Reihe, was durchaus nett zu lesen ist. In Summe hat man aber das Gefühl, dass das alles schon mal da war bzw. Lukianenko die Geschichte um Anton und seine Familie unbedingt zu einem endgültigen Abschluss bringen wollte. Dazu bedarf es eines noch mächtigeren Gegners, als Anton ihn bisher gekannt hat, nämlich den so genannten Zweieinigen, eine Art Gottheit, die mit dem Zwielicht verbunden ist oder aus dieser hervorgegangen ist – ganz klar wird das nicht.

Das Auftauchen des Zweieinigen bedeutet jedenfalls, dass die Apokalypse bevorsteht und dass die Anderen, Lichte wie Dunkle, an einem Strang ziehen müssen, um den Untergang abzuwenden. Teilweise wirkt die Geschichte etwas konstruiert, teilweise hat man aber auch den Eindruck, dass hier Handlungsstränge aus früheren Bänden endlich zu einem runden Abschluss geführt werden. Dazu werden einige Geheimnisse gelüftet, die ich so nicht erwartet hätte; Geser und Sebulon spielen wieder eine größere Rolle als im Vorgänger-Band, was mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat, weil ich die beiden einfach mag. Es gibt ein Wiedersehen mit dem Tiger aus Band 5 und einigen Charakteren, die in früheren Bänden eine Rolle gespielt haben, was größtenteils durchaus nett ist. Mit dem Ende hätte ich in dieser Form nicht gerechnet, fand es aber konsequent und auch spannend, weil es in gewisser Weise einen Bogen zum allerersten Band und Antons Initiierung schlägt. Ein durchaus würdiges Ende für eine spannende Buchreihe, die ich Fantasy-Freunden ausdrücklich ans Herz legen möchte. Wer die Wächter-Reihe noch nicht kennt, sollte jedoch unbedingt mit Band 1 beginnen. Im abschließenden Band hält sich Lukianenko nicht mehr mit Erklärungen auf, etwa was das Zwielicht betrifft; er setzt voraus, dass man die Charaktere und die Welt, die er erschaffen hat, bereits kennt und sofort in die Geschichte eintauchen kann. Teilweise liest sich das Buch wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die man vor einigen Jahren aus den Augen verloren hat und die einem jetzt zufällig wieder begegnen, und größtenteils ist das Buch auch sehr spannend und unterhaltsam. Da verzeiht man Lukianenko dann auch die eine oder andere konstruierte oder an den Haaren herbeigezogene Erklärung, man verzeiht ihm auch kleinere Plotholes, und gerade das Ende gleicht so manche Schwäche wieder aus. In Summe durchaus lesenswert, wenn man die übrigen Bände bereits kennt.

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