Stephen King – Hearts in Atlantis (1999)

Das erste Buch des neuen Jahres ist eigentlich eine Altlast aus 2015 – mit Stephen Kings Hearts in Atlantis habe ich kurz vor Weihnachten begonnen. Aus verschiedenen Gründen hat sich die Lektüre allerdings länger gezogen als gedacht. Und daran war nicht nur der Umstand schuld, dass ich seit einigen Wochen eine Playstation 4 besitze, auf der ich eifrig The Witcher 3 spiele. Vielmehr lag es schon auch zu weiten Teilen am Buch selbst, dass ich mehrere Wochen dafür gebraucht habe. Aber gut – das Thema Vietnam-Krieg ist nun mal überhaupt nicht meines, und ich hab mich dieses Mal entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auch nicht vorab über den Inhalt des Buches informiert, sondern es mir quasi blind gekauft.

Hearts in Atlantis erzählt vor allem die Geschichte einer ganzen Generation, die durch den Vietnam-Krieg teils schwer traumatisiert wird. Dabei greift King zu dem wirklich gelungenen Trick, keinen klassischen Roman zu schreiben, sondern fünf Erzählungen, die über die handelnden Personen miteinander verwoben sind, mehrere Dekaden umspannen und am Ende ein abgerundetes Ganzes bilden. Dabei hat die erste Geschichte, “Low Men in Yellow Coats”, noch am wenigsten mit Vietnam zu tun. Vielmehr dient die Geschichte dazu, die wichtigsten Protagonisten einzuführen, die uns auch später wieder begegnen werden, wobei Nebenfiguren in späteren Geschichten zu Hauptfiguren aufgewertet werden. Der “rote Faden”, der sich durch alle fünf Geschichten zieht, ist dabei Carol Gerber, in der ersten Geschichte noch ein elfjähriges Mädchen, in der zweiten Geschichte eine Studentin, in der dritten und vierten eine Erinnerung und in der fünften eine Frau um die 50. Sie beeinflusst jeden männlichen Protagonisten in irgendeiner Weise; an ihr zeigt King auch exemplarisch auf, wie aus einer behüteten Elfjährigen nach einer brutalen Attacke eine Revoluzzerin werden kann, die vor nichts zurückschreckt, um ihre Ideale durchzusetzen.

Die erste Geschichte fand ich insofern am spannendsten, als sie mit dem Dark Tower-Zyklus verknüpft ist, wobei King diese Verknüpfung in der letzten Geschichte noch einmal aufgreift. Das war zwar ganz nett, denn so hat sich der Kreis zur ersten Geschichte schön geschlossen. Dennoch wirkte das Ganze am Ende etwas aufgepropft und unpassend, zumal King in den übrigen Geschichten den Vietnam-Krieg behandelt – aus Sicht eines Studenten, der sein erstes Semester mit dem Kartenspiel “Hearts” verbummelt und der sich allmählich für die Thematik zu interessieren beginnt; aus Sicht eines Veteranen, der eine ganz eigene Art wählt, um für frühere Taten Buße zu tun; aus Sicht eines weiteren Veteranen, der schwer traumatisiert durchs Leben geht und die Geister der Vergangenheit nicht los wird. King schildert die unterschiedlichen Lebensläufe durchaus eindringlich, an manchen Stellen war’s mir dann aber doch zu langatmig und, ja, auch zu langweilig. Das wiederum könnte aber damit zu tun haben, dass mich das Thema Vietnam noch nie sonderlich interessiert hat und mir obendrein der Bezug dazu fehlt. King dürfte das Thema jedoch sehr wichtig sein; man merkt auch, dass er selbst dieser Generation angehört, deren Geschichte er erzählt. Atlantis steht dabei für etwas, das verloren gegangen ist – meistens für die Unschuld, die durch verschiedene Ereignisse unwiederbringlich verschwindet, während die betroffenen Herzen mehr oder weniger lädiert aus diesen Ereignissen hervorgehen, teilweise noch intakt, teilweise aber auch völlig gebrochen. Insofern ist der Titel hervorragend gewählt, und objektiv gesehen ist King hier ein sehr gutes Buch gelungen. Subjektiv muss ich leider sagen, dass es mich stellenweise fürchterlich gelangweilt hat und ich  mich gefragt habe, warum manche Passagen nicht gekürzt wurden. Die Message wäre trotzdem unbeschadet angekommen. Kann man als King-Fan lesen, muss man aber nicht – und wenn, sollte man wissen, worauf man sich einlässt.

 

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