Terry Pratchett – The Fifth Elephant (1999)

Die Wache von Ankh-Morpork bekommt es im fünften Wachen-Roman gleich mit einer ganzen Reihe von Problemen zu tun: Sam Vimes, Adeliger wider Willen, wird von Lord Vetinari als Diplomat nach Überwald geschickt, einer Region, die vor allem Zwerge, Vampire und Werwölfe beheimatet. Grund für die diplomatische Mission: Der zwergische “Low King” ist verstorben, und Vimes soll aus der Krönung des neuen Königs diplomatisches Kapital schlagen bzw. Verhandlungen über den Import von Fett führen. Fett-Import? Ja, richtig gelesen. Denn als der mythologische Fünfte Elefant, der einst die Discworld stützte, erst vom Rücken der Schildkröte rutschte, dann in die Umlaufbahn geriet und schließlich in Überwald einschlug, wandelten sich seine Überreste im Lauf der Zeit zu enormen Fettressourcen. Sagt jedenfalls die Legende, und in jeder Legende steckt ja bekanntlich ein  kleines Körnchen Wahrheit.

Es wäre kein Discworld-Roman, ginge nicht wieder alles drunter und drüber. So wird der “Scone of Stone” gestohlen, der für die Krönung eines zwergischen “Low King” absolut notwendig ist (Pratchett erlaubt sich hier einen Seitenhieb auf den tatsächlich existierenden Stone of Scone, der bei Krönungen zum Einsatz kam); die Werwölfe machen Ärger, Angua verschwindet (was dazu führt, dass Carrot sich selbst zum Zivilisten degradiert und Fred Colon zum Captain aufsteigt, was wiederum zu Unruhen in der Wache führt, was wiederum Vetinari verwirrt und den Leser erheitert) bzw. legt sich mit ihrer Familie an, und die Zwerge sind einerseits gespalten (denn es gibt zwei Kandidaten für den neuen “Low King”), andererseits aber auch völlig von den Socken, dass eine Zwergenfrau es wagt, sich feminin zu kleiden und sich als “sie” zu bezeichnen. Denn Zwerge, so lernen wir, sind einfach nur Zwerge. Es gibt kein “er”, es gibt kein “sie” – bis Cheery Littlebottom beschließt, dass es Zeit ist, das zu ändern.

Pratchett packt eine Menge in diesen Roman, und ich muss zugeben, dass ich mich stellenweise durchaus schwer damit getan habe. Zu viele Handlungsstränge mussten unter einen Hut gebracht werden, zu viele neue Charaktere wurden eingeführt. Am Ende löst sich zwar alles in Wohlgefallen auf bzw. schafft es Pratchett, die vielen scheinbar nicht zusammenhängenden Handlungsstränge zusammenzuführen. Dennoch würde ich The Fifth Elephant zu den eher anstrengenderen (weil stellenweise langwierigen und ausufernden) und auch subtileren Pratchett-Romanen zählen. Gut gefallen hat mir die so unterschiedliche Gesellschaft in Überwald, die sich von jener in Ankh-Morpork grundlegend unterscheidet und z.B. auf die Dienste von Igors zurückgreift – das sind Individuen, die aus – man ahnt es – Körperteilen zusammengeflickt sind, die enormes chirurgisches Geschick besitzen und die lispeln. Und sie heißen – natürlich – alle Igor, was nicht nur bei Vimes anfangs für Verwirrung sorgt. Jedenfalls will ich jetzt auch einen Igor. Und die Idee von Vampiren in rosa Trainingsanzügen fand ich ebenfalls großartig, während die Werwölfe… nun ja, das waren eben Werwölfe. Gut gelungen sind auch die gesellschaftlichen Widersprüche zwischen Fortschritt und Tradition oder die Einführung der Verkehrskontrollen in Ankh-Morpork. Oder die “Clacks”-Türme, welche die Kommunikation über größere Distanzen erlauben. Kurz: Es tut sich eine ganze Menge, was vermutlich auch mit ein Grund dafür war, dass ich mehrere Wochen gebraucht habe, um das Buch zu lesen. Dennoch: Für Fans empfehlenswert. Versteht sich von selbst 🙂

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