Andy Weir – The Martian (2014)

Nach einem Ausflug in die englische Literatur des 19. Jahrhunderts bin ich jetzt wieder in der Gegenwart gelandet, genauer gesagt, in der Science Fiction. Wobei – Science Fiction ist als alleine Kategorie für Andy Weirs Debutroman The Martian nicht ganz zutreffend. Der Roman vereint Survival, SciFi, sehr viel Technik und Naturwissenschaften sowie verschiedene Erzählebenen und ist nebenbei auch noch ziemlich spannend. Dass das Buch an manchen Stellen zumindest für mich etwas schwierig zu lesen war, lag an den teils ausufernden Beschreibungen technischer, chemischer, physikalischer und botanischer Vorgänge – ich war in Chemie, Physik und Biologie nie besonders gut, von Mathematik ganz zu schweigen. Daher kann ich auch nicht beurteilen, ob die Berechnungen, die Weir seinen Protagonisten anstellen lässt, allesamt stimmen bzw. ob das Szenario in dieser Form auch realistisch ist. Es hat sich aber zumindest realistisch angefühlt, und das ist schon mal ein großer Pluspunkt.

Worum geht’s? Mark Watney ist Teil der Ares 3-Mission, die einen Teil der Mars-Oberfläche erforschen soll. Ein heftiger Sandsturm sorgt jedoch dafür, dass Mark einerseits verletzt, andererseits von seinem Team getrennt und in der Folge für tot gehalten wird – der Rest des Teams verlässt den Planeten in der Annahme, dass Mark das Zeitliche gesegnet hat. Dieser ist nun auf sich allein gestellt und muss auf dem Mars überleben – und zwar, bis die nächste Mars-Mission eintrifft. Die ist aber erst in vier Jahren fällig. Also wirft Watney sein gesamtes Wissen in die Waagschale. Als gelernter Botaniker weiß er, wie er Kartoffeln züchten kann; er vermag Wasser herzustellen und schafft es auch, den Kontakt zur NASA wiederherzustellen, die in der Folge alles daran setzt, den tot geglaubten Astronauten zu retten.

Erzählt wird die Geschichte einerseits aus Watneys Perspektive in Form von Logbüchern, andererseits finden sich aber auch klassische narrative Strukturen, die vor allem die NASA betreffen und das Geschehen auf der Erde wiedergeben bzw. später auch auf der Hermes, dem Raumschiff, mit dem Watneys Team an sich auf dem Rückweg zur Erde ist. Der Mix ist gut gelungen; teilweise hätte ich mir aber etwas eingehendere Charakterisierungen der handelnden Personen gewünscht und weniger Technik. Watney selbst mochte ich auf Anhieb; Weir hat ihm einen trockenen, sarkastischen Humor in den Mund gelegt, der mir sehr gefallen hat. Und auch wenn beispielsweise vorhersehbar ist, dass die Rettung alles andere als einfach wird oder dass sich Mark zig Hindernisse in den Weg stellen – ich fand das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend, glaubwürdig und auch sehr sympathisch.

Gut, man könnte kritisieren, dass  Watney in den 1,5 Jahren, die er auf dem Mars verbringt, keine psychischen Probleme entwickelt und dass Weir hier etwas mehr in die Charakterisierung hätte eintauchen können. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich um einen Debutroman handelt, und der ist einfach gut gelungen. Man muss sich nur vor der Lektüre im Klaren sein, dass man mit einer Fülle an naturwissenschaftlichen, technischen und mathematischen Fakten bombardiert wird und dass dies mitunter etwas mühsam oder auch nicht ganz nachvollziehbar sein kann, wenn man nicht über das entsprechende Wissen verfügt oder, so wie ich, in dieser Hinsicht null Begabung und null Verständnis hat. Trotzdem, und das möchte ich ausdrücklich betonen, hat mir die Lektüre von The Martian wirklich Spaß gemacht, einfach, weil ich Watney mochte und daher auch bis zur letzten Seite mitgefiebert habe, ob sich die Rettung ausgeht oder nicht. Ich bin gespannt, was Andy Weir als Nächstes abliefert.

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