John Steinbeck – Of Mice and Men (1937)

Müsste ich John Steinbecks Of Mice and Men mit einem Wort beschreiben, dann wäre dieses Wort “langweilig”. Ja, das Buch ist ein Klassiker, und ja, ich hab kapiert, was Steinbeck damit wollte. Das ändert nichts daran, dass es sich aus meiner Sicht um eines der ödesten Bücher aller Zeiten handelt. Dabei wären Story und Setting durchaus interessant, und sprachlich kann man Steinbeck eigentlich nichts vorwerfen. An den Slang gewöhnt man sich relativ schnell, ebenso an die merkwürdig distanzierte und trockene Erzählweise Steinbecks, der sich so gar nicht um das Innenleben seiner Figuren schert. Ich vermute, dass dieser letzte Punkt einer der Gründe war, warum ich das Buch als fürchterlich langweilig empfunden habe. Die Figuren bleiben blass, flach, nicht greifbar. Aber schauen wir uns das mal genauer an.

Die Hauptprotagonisten des mit gerade einmal 106 Seiten sehr dünnen Romans sind George und Lennie, wobei letzterer das Pech hatte, mit intellektuellen Defiziten geboren worden zu sein. Lennie, so wird immer wieder betont, sei in seinem Verhalten wie ein Kind, das nichts Böses wolle, aber unabsichtlich immer wieder in Schwierigkeiten gerate. Zu Beginn ist das eine tote Maus in Lennies Manteltasche. Diese tote Maus ist insofern wichtig, als sie einerseits auf Lennies körperliche Stärke und sein Bedürfnis verweist, alles, was flauschig oder weich ist, streicheln zu müssen. Andererseits weist die Maus auch auf das Ende sowie darauf, was mit denen passiert, die zu den sozial Schwachen gehört.

George und Lennie sind auf dem Weg zu einer Farm, um dort zu arbeiten. Sie haben kein festes Zuhause, sie gehören nirgendwo hin und stehen auf der untersten Stufe der sozialen Leiter. Ihr größter Traum: ein Stück Land und ein eigenes kleines Haus – ein Traum, den Lennie sich von George wieder und immer wieder erzählen lässt, wobei er vor allem darauf Wert legt, dass er sich, wenn es denn einmal so weit ist, um die Hasen kümmern darf. Das Thema dieser Heimatlosigkeit zieht sich ebenso durch das Buch wie Lennies Kindlichkeit und seine enorme körperliche Stärke. Auch die Beziehung zwischen George und Lennie steht im Zentrum, wobei ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen konnte, wo hier bitte die große, tiefe Freundschaft sein soll. Gleich zu Beginn darf sich Lennie, der sich eh nicht wirklich wehren kann (zumindest nicht verbal), von George anhören, dass selbiger ohne Lennie viel besser dran wäre und Lennie nur ein Klotz am Bein ist. Diese unterschwellige Unzufriedenheit auf Seiten von George zieht sich ebenfalls durch das Buch; ich habe ihm nie so recht abgekauft, dass er Lennie wirklich gern hat. Das lag aber auch daran, dass sich Steinbeck nicht die Mühe gemacht hat, das Innenleben seiner Figuren nachvollziehbar darzustellen – oder es überhaupt darzustellen. Das Resultat: Ich konnte mit keiner der Figuren auch nur ansatzweise etwas anfangen, habe sie als Schablonen empfunden, die nur dazu dienen, eine Geschichte von sozialer Ungerechtigkeit zu erzählen.

Dadurch, dass immer wieder betont wird, wie oft Lennie in Schwierigkeiten gerät, kann man sich denken, dass es auf der Farm nicht so einfach für George und Lennie werden wird. Obendrein ist da dieses Weibsbild, das nur “Curley’s wife” genannt wird – einen Namen hat die arme Frau nicht bekommen. War wohl zu viel Aufwand. Sie erfüllt ebenfalls eine Funktion: Von ihr glauben alle Männer auf der Farm, dass sie nur Ärger mit sich bringt. Dabei  ist der jungen Frau nur langweilig; sie kann ihren Ehemann nicht leiden und will nur mit den Männern reden. Was mich an der Darstellung dieser namenlosen Frau wirklich geärgert hat, war, dass dauernd betont wurde, wie stark sie geschminkt ist und dass sie eh nur Ärger machen würde. Als es letztlich zur Katastrophe kommt, gibt einer der Männer allen Ernstes der Frau die Schuld. Nun ist der Roman Ende der 1930er Jahre entstanden und muss sicher im zeitlichen Kontext gesehen werden. Trotzdem muss mir das nicht gefallen. Ich fand es genau genommen widerwärtig und ärgerlich.

Ebenso widerwärtig fand ich jene Szene, in der einer der Farmarbeiter einen anderen davon überzeugt, dass sein alter Hund zu nichts mehr zu gebrauchen ist und am besten erschossen werden sollte. Das war auch die einzige Szene, die mich wirklich berührt hat, wobei mir vor allem der Hund leid getan hat. Dass Steinbeck die Szene bewusst so gestaltet hat und sie ebenfalls ein Hinweis auf das Ende ist bzw. das Ende diese Szene mehr oder weniger spiegelt, wird einem erst kurz vor Schluss klar. Auch der Titel ist natürlich mit Bedacht gewählt. Die “Mäuse”, das sind die sozial schlecht Gestellten, die immer unter die Räder geraten und die von den Menschen, die es besser erwischt haben, immer mit Verachtung behandelt werden. Dabei gibt es perverserweise noch eine Hackordnung innerhalb der “Mäuse”: Ein dunkelhäutiger Arbeiter darf nicht im selben Gebäude wie die Weißen schlafen, und die namenlose Frau wird von allen Arbeitern von oben herab behandelt.

Nun klingt das eigentlich alles nach einem großartigen, vielschichtigen Buch, nicht? Vermutlich ist es das auch, und vermutlich hätte ich es auch großartig gefunden, wenn es nicht so gnadenlos langweilig wäre, wenn die Charaktere nicht so unfassbar platt und schablonenhaft, so ganz ohne Innenleben geblieben wären und wenn die Botschaft einen nicht schon ab der ersten Seite anspringen würde. Ein Klassiker? Sicher. Aber keiner, den man unbedingt lesen muss.

 

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